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Freitag, 11. Juni 2010

Zazen als buddhistischer Weg - Teil 2

Fortsetzung von Teil 1


Wenn Sie sich schon etwas mit der buddhistischen Lehre beschäftigt haben, dann wissen Sie, dass sie auf ein paar wenigen Voraussetzungen aufbaut und diese dann schrittweise logisch entwickelt. Ich bitte Sie in diesem Fall um Nachsicht, wenn ich Sie mit Altbekanntem langweile. Die gesamte buddhistische Lehre lässt sich in wenigen einfachen Sätzen zusammenfassen - und das gilt für alle buddhistischen Traditionen, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Glauben Sie's oder nicht - der gesamte Buddhadharma passt problemlos auf eine halbe DIN A4 - Seite. Hier - so sieht das aus.



Das ist das sog. Buddhistische Bekenntnis, das die Deutsche Buddhistische Union, der Dachverband der Buddhisten in Deutschland, gemeinsam erarbeitet hat. Ich weiss nicht, ob die DBU hier auf dem Festgelände einen eigenen Stand hat - wenn nicht, bekommen Sie das sicher an einem Stand einer DBU-Mitgliedsgemeinschaft. Schauen Sie sich's mal an.

Auch das hier kann man noch einmal konzentrieren - das Wesentliche steht nämlich hier, in der Mitte: "Ich habe festes Vertrauen zu den edlen vier Wahrheiten: Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Zum Erlöschen des Leidens führt der edle achtfache Pfad." Von Nummer Vier reden wir hier. Der edle achtfache Pfad, das ist mit "buddhistischer Weg" gemeint. Das ist das, was Buddhisten tun oder worum sie sich doch zumindest bemühen, um Leiden zu überwinden. Das ist die Praxis des Buddhismus. Die anderen drei Wahrheiten - das ist die Theorie, sie geben uns Gründe an die Hand, eine Motivation für die Praxis. Wenn man sie genauer untersuchen und begründen will, dann kommen wir mit so einem kleinem Faltblatt natürlich nicht aus, dazu braucht es schon ein wenig mehr. Ein lebenslanges Studium erst einmal, zum Beispiel. Deswegen spreche ich darüber heute, in dieser halben Stunde, nicht, so interessant das natürlich ist. Mein Thema heute ist der buddhistische Weg, die buddhistische Praxis im Soto-Zen.

Ich möchte jetzt nicht alle acht Teilaspekte des edlen achtfachen Pfades durchdeklinieren und im Einzelnen erläutern; man hat sie auch schon recht früh zu drei verschiedenen Übungsfeldern zusammengefasst: Weisheit, Sittlichkeit und Klären des Geistes – oder anders: Entwicklung von Erkenntnis und Verstehen, Entfaltung ethisch korrekten Verhaltens und geistige Schulung. Wir dürfen ohnehin nicht den Fehler begehen, die acht Aspekte des edlen achtfachen Pfades oder Weisheit, Sittlichkeit und Klären des Geistes für voneinander getrennte Felder der Praxis zu halten, die jeweils für sich existieren, für sich isoliert beackert werden. Es ist auch nicht so, dass diese Aspekte des buddhistischen Weges Stufen sind, die aufeinander aufbauen. Dass man sich also z.B. zunächst einmal um ein ethisch tadelloses Verhalten bemüht, dass dies die Voraussetzung für eine geistige Vervollkommnung durch Meditation und Achtsamkeit ist, die dann wiederum zu Weisheit, zu rechter Erkenntnis führt. Das wäre ein Missverständnis. Vielmehr greifen Weisheit, Sittlichkeit und Klären des Geistes ineinander, gehen ineinander über, bedingen und verstärken sich wechselseitig - oder behindern sich, wenn ein Bereich in der Entwicklung zurück bleibt.

In der chinesischen buddhistischen Tradition hat man diesen Dreiklang 'Sangaku' genannt, 'dreifaches Studium' - denn man hat die Entwicklung von Weisheit, Sittlichkeit und Klären des Geistes mit dem Studium der drei Abteilungen des Tripitaka, also des überlieferten Korpus buddhistischer Lehrschriften, identifiziert. Weisheit war aus dieser Sicht eine Sache des Intellekts, war Schulung des Verständnisses durch Studium der Kommentare, der Shastras, des Abhidharma. Sittlichkeit ist - so verstanden - die Entwicklung heilsamen Verhaltens, insbesondere auch heilsamen sozialen Verhaltens, mit Hilfe des Studiums des Vinaya, also der buddhistischen Ordensregel. Klären des Geistes schließlich, geistige Schulung, wurde mit dem Studium der Sutren und deren Ergründung identifiziert. Ganz offensichtlich eine ziemlich verkopfte Angelegenheit …

Nun - es konnte nicht ausbleiben, dass diese Sicht, dieses Konzept vom buddhistischen Weg, das uns heute eher an einen konfuzianischen Beamten-Gelehrten denken lässt als an einen buddhistischen Wegsucher, von Vielen als unbefriedigend, als inadäquat empfunden wurde. Vielleicht erinnern Sie sich noch, was ich vorhin darüber gesagt habe, was für ein untaugliches Mittel Worte sind, um auch nur eine zutreffende Vorstellung von authentischer buddhistischer Praxis zu entwickeln. Das wird nicht dadurch besser, wenn man diese Worte in den Sutren, Shastras und im Vinaya sucht. Verstehen Sie mich nicht falsch - ich will das Studium der Schriften durchaus nicht abwerten. Zen steht nicht außerhalb der Sutren - es ist nicht wirklich eine Überlieferung "außerhalb der Schriften". Es ist eine Überlieferung ohne Wort und Schrift, eine Überlieferung direkt von Herz zu Herz, die in den Schriften jedoch Förderung und Bestätigung findet. Das ist kein Gegensatz; die Sutras sind vollkommener Ausdruck des buddhistischen Weges. Doch sie sind eben nicht der Weg selbst und ohne den Weg erlangt zu haben, sind sie nur Worte auf Papier, nicht mehr.

Gewissermaßen als Gegenbewegung zu dem formalistischen Schriftenstudium, dem dreifachen Studium Sangaku, betonte das chinesische Zen etwas, das als 'Muso Sangaku' bezeichnet wurde. Als 'dreifaches Studium ohne Form'. Ich will jetzt schon die Pointe vorwegnehmen und verraten, was dieses 'formlose dreifache Studium' ist: es ist nichts Anderes als Zazen.

Um dies zu verstehen, müssen wir uns erst einmal darüber klar werden, was der buddhistische Weg, die buddhistische Praxis bewirkt und wie sie es bewirkt. Erinnern wir uns kurz an die zweite und dritte edle Wahrheit, die ich vorhin erwähnt habe: Gier, Hass und Verblendung sind Ursachen von Leiden, das durch das Erlöschen dieser Ursachen überwunden wird. Der Sinn des buddhistischen Wegs ist also das Erlöschen von Gier und Hass - der Grundantriebe des Daseins, die wir in moderner Diktion, in Anlehnung an das Vokabular der Psychoanalyse, auch als Lust und Unlust bezeichnen können, die wiederum aus Verblendung entstehen, aus Unkenntnis über unsere wahre Natur und über die Folgen unseres Handelns.

Wir sprechen hier von Klesha, 'Trübungen'. Oder Bonno, um den japanischen Ausdruck zu nennen. Das Erwachen, das Buddha Shakyamuni erfuhr, war die völlige und restlose Auflösung dieser Trübungen und damit aller ihrer Folgen. Lassen Sie mich, um diesen Punkt klar zu machen, statt der traditionellen Metapher Klesha oder 'Trübungen' ein anderes Bild verwenden: Verzerrungen. Was Buddha erlangte, als er unter dem Bodhibaum erwachte, das war seine wahre Gestalt, frei von jeglichen Verzerrungen. Insofern hat er nicht wirklich etwas erlangt – es ist Alles von Anfang an bereits da gewesen.

Es gibt durch die buddhistische Praxis nichts zu gewinnen – tut mir leid, wenn ich Sie da enttäuschen sollte. Sie dient vielmehr dazu, zu verlieren. Alle Verzerrungen zu verlieren und damit zur wahren, unverzerrten Gestalt zurück zu finden. Diese wahre, unverzerrte Gestalt ist es, die wir karmisch verformen. Das heisst, durch willentliches Handeln mit Körper, Geist und Sprache verzerren. Dieses willentliche Handeln wiederum ist angetrieben und motiviert durch blinde Triebe, durch Gier und Hass, durch Lust und Unlust.

Kommen wir auf den Ausdruck 'Trübungen' zurück, Klesha oder Bonno. Es scheint nahezuliegen, hier von 'Trübungen des Geistes' zu sprechen - aber das trifft es nicht ganz. Der Geist - eben dieser Geist ist das Getrübte. Lösen sich die Trübungen auf, bleibt der klare Spiegel des Geistgrundes. Aber das ist nur ein Wort für etwas, das jenseits aller Worte ist. Ehrlich gesagt - ich führe Sie hier an der Nase herum, weil ich mir einfach nicht anders helfen kann.

Andererseits - der große Zenlehrer Daikan Eno, der als sogenannter 6. Patriarch des Zen in China um 700 u.Z. eine ganz entscheidende Rolle spielte bei dem, was ich gerade als Gegenbewegung zum formalistischen Schriftenstudium Sangaku bezeichnet habe, benutzte ebenfalls diesen Begriff 'Geistgrund' und darüber hinaus sprach er vom 'eigenen Wesen', um einem Fragenden zu veranschaulichen, was das 'formlose dreifache Studium', was 'muso sangaku' eigentlich ist. Ich möchte ihn hier zitieren:

"Die Lehre, die ich darlege, ist nicht getrennt vom eigenen, ursprünglichen Wesen. Wenn eine Lehre vom ursprünglichen Wesen getrennt dargelegt wird, dann ist es eine formale Lehre. So eine Lehrweise lässt einen das eigene ursprüngliche Wesen aus den Augen verlieren. Man muss wissen, dass alle Zehntausend Erscheinungen das Wirken des eigenen Wesens sind. Das ist die wahre Lehre der Gleichheit von Sittlichkeit, Klären des Geistes und Weisheit.

Stets das eigene ursprüngliche Wesen schauen (es natürlich manifestieren) bedeutet, dass das eigene Wesen an sich Buddha ist. Der Geistgrund ohne Irrtümer ist Sittlichkeit des eigenen Wesens, also die Ethik, mit der das eigene Wesen von Anfang an ausgestattet ist. Der Geistgrund ohne Torheit ist Weisheit des eigenen Wesens. Der Geistgrund ohne Wirrnis ist der geklärte Geist des eigenen Wesens."

Das zeigt uns nun auch ein vielleicht etwas überraschendes Verständnis des buddhistischen Weges auf. Der buddhistische Weg ist nicht ein Mittel, ein Werkzeug, das zum Erwachen führt. Er ist vielmehr die wahre, ursprüngliche, unverzerrte Gestalt des Erwachens, seine Form. Wenn wir es personalisieren wollen: der Erwachte. Buddha und der Weg des Erwachens sind eins. Im Vakkali Sutta, das sich im Palikanon findet, spricht Buddha: "Wer den Dharma sieht, der sieht mich; wer mich sieht, der sieht den Dharma! Wahrlich, den Dharma sehend, sieht man mich; mich sehend, sieht man den Dharma."

Das Üben des buddhistischen Weges ist also das Einüben in das Verkörpern des Dharma, es ist das Einnehmen der Gestalt Buddhas. Es ist - wie der große Lehrer Dogen, der im 13. Jahrhundert die Tradition des Soto-Zen nach Japan brachte, ausdrückte, das 'Tun Buddhas', Butsugyo. Das bedeutet natürlich auch, dass wir selbst Buddha sind. Schlampige Buddhas, verformte, verzerrte Buddhas, die unter ihrer Missgestalt leiden. Die Gestalt des Erwachten im Erwachen ist sitzender Buddha. Zazen ist das Einnehmen dieser Gestalt, Zazen ist sitzender Buddha. Ich hatte es schon zu Beginn gesagt: Zazen ist keine Meditation, ist kein Samadhi, kein Dhyana, kein Smrti oder Sati. Kein Klären des Geistes. Alles dies AUCH – aber nicht NUR. Zazen ist der vollständige achtfache Pfad, ist Manifestation des Geistgrunds ohne Irrtümer, ohne Torheit, ohne Verwirrung. Ist Sittlichkeit, Weisheit, Klären des Geistes. Sitzender Buddha.

Das klingt sehr einfach – und das ist es auch. Wir können Buddha unmittelbar folgen, weil wir selbst Buddha sind. In seiner Schrift 'Yuibutsu Yobutsu' - 'Nur von Buddha zu Buddha' - vergleicht Dogen dieses 'Folgen' mit dem Zug der Vögel:

"Ein Wagen, der einen schlammigen Weg passiert, und ein Pferd auf dem Feld sind leicht zu verfolgen, weil sie klar unterscheidbare Spuren hinterlassen. Ein Vogel benötigt solche Spuren jedoch nicht, um den Vögeln zu folgen, die bereits davongezogen sind.

Das ist prinzipiell das gleiche, wie dem buddhistischen Weg zu folgen. Die Buddhas sind sich all der Buddhas bewusst, die ihnen vorangingen, kleiner, großer und weniger bekannter Buddhas. Nur Buddhas können Buddhas erkennen. […] 'Nur die Buddhas allein besitzen das Buddha-Auge. Ohne dieses Auge kann der Weg weder gesehen noch erkannt werden.' ....

Wenn wir diesen Weg gesehen haben, sollten wir ihn als Standard nehmen, um unseren eigenen Weg daran zu messen. Ein Vergleich dieser Art eröffnet tieferes Verständnis der Zeichen, die von den Buddhas hinterlassen wurden .... Nur durch Klären der Zeichen, die von den Buddhas hinterlassen wurden, können wir Einblick in die Abdrücke unseres eigenen Weges gewinnen. Wenn wir sie erkannt und verstanden haben, sollten wir den Zeichen, die von den Buddhas hinterlassen wurden, mit unserem ganzen Körper und Geist folgen. Das ist das buddhistische Dharma."

Buddha mit unserem ganzem Körper und Geist folgen - das ist Zazen. Weil wir Buddha sind, müssen wir dazu nichts tun. Nur uns hinsetzen, nichts sonst. ....

Nun - um ehrlich zu sein, ganz so einfach ist das nun doch wieder nicht. Unsere Verzerrungen und Verformungen loszuwerden, ist ähnlich schwierig wie eine seit langer Zeit angewöhnte körperliche Fehlhaltung zu korrigieren. Um wirklich NUR zu sitzen – dem Sitzen nichts hinzuzufügen, nichts wegzulassen - bedarf es schon einiger Übung. 'Nichts wegzulassen' ist vielleicht noch schwieriger, als nichts hinzuzufügen, also sich nicht Tagträumen und Fantasien hinzugeben, Gedanken nachzuhängen. 'Nichts wegzulassen' bedeutet, nichts auszuschließen, sich nicht abzuschotten. Also kein Rückzug, keine 'Versenkung', sondern absolute Offenheit. So offen, als wollte man den sprichwörtlichen Sack Reis in China umfallen hören. Kommen lassen und annehmen, was kommt und wie es kommt. Klänge, Gerüche, Gefühle, Gedanken … nichts abweisen. Dabei aber auch nichts ergreifen, festhalten, an nichts anhaften – das, was kommt, wieder gehen lassen, vergehen lassen. Heiter-gelassenes Widerspiegeln ohne Verzerrungen, ohne Trübungen. Ohne Widerstand, ohne ein Tun. Die Dinge so sein lassen, wie sie sind. Einfach nur Sitzen. Dann wird man auch selbst zu dem, was man wirklich ist. Nicht mehr, nicht weniger.

Noch einmal Meister Dogen:

"Was man das Ergründen des Buddhaweges nennt, ist das Ergründen des Selbst. Was man das Ergründen des Selbst nennt, ist das Vergessen des Selbst. Was man das Vergessen des Selbst nennt, ist Aufgehen im Bezeugen der Erwachens durch die zehntausend Dinge. Was man Bezeugen des Erwachens durch die zehntausend Dinge nennt, ist das Ineinander-Aufgehen von Körper und Geist des Selbst und Nicht-Selbst, wenn sie sich lösen und abfallen".

Auch, wenn uns dies zu Beginn vielleicht sehr schwer fällt - die Übung des Zazen ist trotzdem immer vollständig. UNSERE Übung mag mangelhaft sein – aber Zazen ist nicht UNSERE Übung. Zazen ist immer sitzender Buddha. Suzuki Roshi, von dem ich die Anekdote zu Beginn meines Vortrages erzählt habe, hat einmal gesagt: "Wenn Eure Übung nicht gut ist, seid ihr amseliger Buddha. Ist sie gut, dann seid ihr guter Buddha. Und 'armselig' und 'gut' sind selbst Buddhas." Wenn Sie täglich Zazen üben, dann wird Zazen nicht nur zum Zentrum Ihrer buddhistischen Praxis, dann wird Zazen zum Zentrum Ihres Lebens, es durchdringt ihr Leben und transformiert es. Das alltägliche Leben, der alltägliche Geist, wird buddhistische Praxis, wird zum buddhistischen Weg. Dann ist Ihre religiöse Praxis keine äußerliche, formale Praxis – nicht etwas, was von Ihnen selbst getrennt ist und zu dem sie sich gelegentlich bequemen. Sondern dann manifestiert sich in Ihrem alltäglichen Handeln und Nicht-Handeln auf vollkommen natürliche Weise mehr und mehr, Schritt für Schritt, Sittlichkeit, Weisheit und ein klarer Geist – weil Sie immer wieder zu Ihrer eigentlichen, wahren Natur zurückfinden und Sittlichkeit, Weisheit und ein klarer Geist die Form dieser wahren Natur ist.


Zazen als buddhistischer Weg - Teil 1

Es ist nun schon einige Wochen her, dass in Hamburg das sehr schöne Vesakh-Fest in den Großen Wallanlagen stattgefunden hat. Auf Einladung lieber Dharmafreunde war ich mit dem Zug dorthin gefahren und durfte bei dieser Gelegenheit einen Vortrag halten, dessen Transkript nun seitdem auf meiner Festplatte auf eine Bearbeitung für diesen Blog wartete. Wegen anderer Verpflichtungen wurde nichts daraus und nun, wo das Wetter endlich der fortgeschrittenen Jahreszeit angemessen ist, habe ich eigentlich keine Lust mehr dazu. Also habe ich  mich entschlossen, lediglich die Einleitung, in der es um das Motto des diesjährigen Hamburger Vesakh-Festes ging ("Buddhas Wege sind vielfältig"), wegzulassen und setze den Text ansonsten so hier herein, wie er ist. Leider ein wenig lang - ich bitte um Nachsicht dafür. Ich mache mal zwei Teile daraus - um Ihnen Gelegenheit zu einer Teepause zu geben, falls sie sich tatsächlich entschließen sollten, diesen ganzen Sermon zu lesen ...

Shunryu Suzuki in Zazen

Alle buddhistischen Traditionen haben ihre eigenen 'geschickten Mittel' - man muss eigentlich nur noch entscheiden, welches dieser Mittel für einen selbst das geschickteste ist. Welcher Deckel auf den eigenen Topf passt.

Nun, der Deckel, über den ich hier sprechen soll und darf, ist die Zen-Tradition, genauer das Soto-Zen - eine der beiden großen Zentraditionen, die aus Japan zu uns in den Westen gekommen sind. Darüber zu sprechen ist gar nicht so einfach, denn die Zentradition hat ihre Wurzel nicht in einem Text, einem Sutra oder einem Schriftenkorpus, worüber ich hier einfach referieren könnte. Nach unserer Überlieferung stand am Ursprung der Zentradition etwas ganz anderes - ein Lächeln ... ich erzähle Ihnen mal kurz unsere 'Gründungslegende': In einer Versammlung der Sangha, der buddhistischen Gemeinschaft auf dem Geierberg bei Rajgir hielt Buddha eines Tages, statt wie sonst üblich eine Lehrrede zu halten, wortlos eine Blume zwischen den Fingern und zeigte sie der Menge. Niemand wusste etwas damit anzufangen - nur Kashyapa konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. So wurde Kashyapa zum ersten Patriarchen des Zen in Indien. Nun ja ... was soll man zu so einer Geschichte schon groß sagen, außer, dass sich da offensichtlich ein wortloses Verstehen vollzieht? Was nun aber da verstanden wird - machen Sie sich selbst einen Reim darauf.

Wo also soll ich anfangen, über Zen zu sprechen? Ich möchte Ihnen stattdessen eine kleine Anekdote erzählen, die dieses Mal sogar historisch verbürgt ist. Sie handelt von Shunryu Suzuki, einem Sotopriester, der 1959 nach San Francisco kam, um die dortige japanische Gemeinde zu betreuen. Zu dieser Zeit entwickelte sich in den USA ein großes Interesse an Zen und bald hatte Suzuki mehr Beatniks und ungewaschene Hippies als seriöse japanische Geschäftsleute in seiner Gemeinde. Sehr viel mehr. Als Suzuki dann 1971 starb, war er einer der wichtigsten Übermittler von Zen für den Westen geworden. Es gibt eine kleine Sammlung von Vorträgen von ihm, seit 35 Jahren auch in deutscher Übersetzung und immer wieder neu aufgelegt. Sie heisst 'Zengeist - Anfängergeist'. Es gibt eine Unmenge von neuzeitlichen Büchern über Zen und jedes Jahr kommen neue hinzu. 'Zengeist - Anfängergeist' ist eines der ganz wenigen, die zu lesen sich wirklich lohnt.

Jedenfalls - dieser Shunryu Suzuki wurde eines Tages von der Stanford Universität gebeten, dort einen Vortrag über Zen zu halten. Eine große Ehre natürlich - Stanford ist schließlich keine dubiose kleine Klitsche, sondern eine der weltweit im Ranking führenden Universitäten. Nun, Suzuki kam in das Auditorium, legte sein Zafu, sein Sitzkissen, auf den Boden und verbeugte sich davor. Dann setzte er sich darauf und erklärte dem Publikum, dass man beim Zazen den Rücken aufgerichtet und gerade hält, die Ohren in einer Linie mit den Schultern, die Nase senkrecht über dem Bauchnabel. Die Hände formen vor dem Bauch ein Mudra, die Augen werden halb geschlossen, so dass nicht zu viel Licht eindringt und sie sind auf einen Punkt auf dem Boden etwa einen Meter vor dem Sitzenden gerichtet. Dann saß Suzuki Roshi. Er saß etwa eine Stunde lang. Dann stand er auf, verbeugte sich, nahm sein Kissen und ging. Wie zahlreich sein Publikum zu diesem Zeitpunkt noch war, ist nicht überliefert ...

Ich habe es mir verkniffen, heute dasselbe zu machen. Das wäre ja auch nicht sehr originell und ich bin weit entfernt davon, mich mit Suzuki Roshi vergleichen zu können. Wobei es natürlich gar nicht um Originalität geht oder sogar darum, sein Publikum zu verblüffen oder mit bizarrem Verhalten zu irritieren. Was wir aber jetzt machen können - wir können uns fragen, was uns dieser wortlose Vortrag über Zen eigentlich zu sagen hat. Und das ist, näher betrachtet, schon eine ganze Menge.

Zunächst einmal - Zen hat offensichtlich nichts mit Ideen, Theorien, Dogmen zu tun, über die man reden kann. Es ist vielmehr etwas Praktisches, ein Tun. Nämlich das Ausüben von Zazen - womit wir nun auch endlich beim Thema dieses Vortrags angelangt wären. Wobei das – der Primat der Praxis, des praktischen Tuns - grundsätzlich natürlich keine Spezialität von Zen ist, das gilt für Buddhas Lehre allgemein. Es geht da ja nicht um Glauben, um Philosophie, um Weltanschauung. Es geht ganz konkret um praktische Lebensführung. Die Inder nannten und nennen dies Yoga - wenn Ihnen das vielleicht etwas mehr sagt. Es geht um Tun, um Übung - und im Zentrum dieses Tuns steht für Zen-Praktizierende eben die Übung des Sitzens, Zazen.

Natürlich sind auch um Zen im Laufe der Jahrhunderte viele Worte gemacht worden und ich selbst füge da ja heute etliche mehr oder weniger sinnvolle noch hinzu. Aber das alles hat mit Zen eigentlich gar nichts zu tun. Wir können es problemlos weglassen, alle diese Worte können zu Zen nichts hinzufügen und - wenn wir sie vergessen oder ignorieren - von Zen nichts wegnehmen. Das Einzige, was unverzichtbar ist, weil Zen dann eben kein Zen mehr wäre – und was völlig ausreicht, genügt, weil es Zen ganz und gar beinhaltet, ist die Zenpraxis, ist Zazen.

Der zweite Punkt hängt mit dem ersten ganz eng zusammen, wird aber in unserer Anekdote nicht ganz so deutlich. Zen ist keine geistige Übung. Zen und auch Zazen ist keine Meditation, das wäre ein ganz großes Missverständnis. Zen ist eine Übung mit Geist UND Körper, ist eine Übung von ungetrenntem Körper und Geist. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt bei der Praxis von Zen - der Körper ist unmittelbarer Ausdruck des Geistes, der Geist unmittelbarer Ausdruck des Körpers. Die körperliche, physische Gestalt von Zazen und seine geistige Gestalt sind nicht voneinander zu trennen. Das unterscheidet es sehr von dem üblichen Verständnis religiöser Übung und auch vom üblichen Verständnis von Meditation als einer rein mentalen Angelegenheit.

Damit kommen wir jedoch auch zu dem Punkt, der an Shunryu Suzukis wortkargem Vortrag zu kritisieren wäre. Er hat seinem Publikum Zen gezeigt, demonstriert - was natürlich schon ein gutes Stück mehr ist als das, was ich hier tue, nämlich über Zen nur zu reden. Sein Sitzen, sein demonstratives Zazen, ist um vieles klarer, deutlicher, ein-deutiger als alles, was man mit Worten sagen kann. Und trotzdem ist es unbefriedigend, weil es den geistigen Aspekt, von dem ich eben gesprochen habe, sehr viel weniger deutlich macht als den körperlichen. Niemand kann sich an einem vorgezeigten Stück Brot satt essen, niemand, dem man ein Stück Kuchen zeigt, weiss damit auch, wie es schmeckt. Insofern war das, was Suzuki Roshi da getan hat, ziemlich sinnlos - jedenfalls, so weit es sein Publikum angeht. Wenn auch nicht ganz so sinnlos, wie mein Gerede hier ... denn ich kann Ihnen natürlich erzählen, wie der Kuchen schmeckt. Aber davon haben Sie auch nicht mehr, als wenn ich ihn Ihnen zeige. Eher weniger ...

Worauf ich hinaus will, ist natürlich Folgendes: wenn Sie heute abend nach Hause gehen und denken, sie hätten heute etwas über Zen und Zazen gelernt, nur weil sie jetzt gerade hier sitzen und mir zuhören, dann irren sie sich. Man lernt nichts über Zen durch Zuhören und auch nicht durch Zusehen. Man lernt, indem man Zazen sitzt. Deswegen meine Bitte - gehen Sie nachher, um halb drei, in das Zelt der Stille und üben Sie gemeinsam mit uns ein wenig Zazen. Wenn Sie stattdessen lieber hier einen Vortrag hören möchten - was ich natürlich verstehen kann, denn es kommen noch sehr interessante Vorträge - dann fassen Sie sich ein Herz und kommen Sie demnächst am Montag abend oder am Mittwoch abend in die Beisserstraße zur Buddhistischen Gesellschaft Hamburg und sitzen dort Zazen. Oder suchen Sie sich eine andere Gemeinschaft, in der Zazen geübt wird. Ansonsten vergeuden Sie hier nur Ihre Zeit - Sie erfahren hier von mir nicht wirklich etwas über Zen und Zazen. Was es da zu erfahren gibt, müssen Sie schon selbst herausfinden, indem Sie Zazen üben. Sorry, anders geht es nicht.

Nun rede ich schon eine ganze Weile und habe vieleWorte darauf verwandt, nur um Ihnen zu erklären, dass ich Ihnen eigentlich nichts zu sagen habe, weil es wenig Sinn macht, über Zen und Zazen zu reden. Ungeachtet der ganzen Bibliotheken, die man mit Literatur über Zen füllen könnte. Aber da wir nun schon einmal hier beisammen sind und ich noch etwas Zeit habe, könnten wir die Sache vielleicht einfach einmal von einer anderen Seite angehen.

Mein Vortrag heute war mit dem Titel angekündigt 'Zazen als buddhistischer Weg'. Ich möchte das als Gleichung verstanden wissen - NICHT 'Zazen als EIN buddhistischer Weg', sondern 'Zazen als DER buddhistische Weg'. 'Zazen' ist gleich 'buddhistischer Weg'. Das soll nun natürlich nicht bedeuten, dass die Praxiswege anderer buddhistischer Traditionen KEIN buddhistischer Weg wären. Nein, Zazen ist der buddhistische Weg, wie er in der Tradition des Soto-Zen gegangen wird. Auch wenn man korrekter sagen müsste, der Weg wird gesessen … Insofern ist es berechtigt, hier - also im Kontext der Soto-Tradition - von einer Gleichung zu sprechen.

Wenn wir nun über Zazen - die eine Seite der Gleichung - nicht wirklich sprechen können, dann können wir vielleicht über das sprechen, was auf der anderen Seite des Gleichheitszeichens steht. Sprechen wir also über den buddhistischen Weg. Was wäre darunter zu verstehen?


Was hat es mit Zazen denn nun wirklich auf sich?
Wird SoGen irgendwann noch einmal auf den Punkt kommen?
Blickt er selbst noch durch? Werden wir erleuchtet?

Verpassen Sie nicht die spannende Fortsetzung:

Donnerstag, 19. November 2009

Meditation - eine "Zen-Geschichte"

Vor einigen Tagen (am 07.11.) hat mein Dharma-Freund Herbert in seinem Blog eine "Zen-Geschichte" gepostet, siehe hier. Sie ist nicht sehr lang und ich bitte darum, sie sich einmal kurz zu Gemüte zu führen.


Fertig?

Nun bringt diese Geschichte, so wie sie da zu lesen steht, auf recht brauchbare Art und Weise eine Ansicht über angemessene buddhistische Praxis zum Ausdruck - nur hat das wiederum mit Zen nichts zu tun. Was wiederum daran liegt, dass es sich hier eben nicht um eine "Zen-Geschichte" handelt, sondern um etwas, das aus einer tatsächlichen "Zen-Geschichte" durch Verstümmelung und Verfälschung entstanden ist. Nun ist das Herbert nicht anzulasten - ihm ist diese Geschichte als "Zen-Geschichte" verkauft worden und für jemanden, der (wie Herbert) selbst nicht in einer Zen-Tradition praktiziert, ist es bei "Zen-Geschichten" oft schwierig, Talmi von Gold zu unterscheiden.

Auch ich habe dieses Elaborat schon diverse Male zu hören bekommen - meistens sollte es als Beleg dafür dienen, wie wenig Gewicht die alten Meister auf Zazen - auf das 'Sitzen' - gelegt haben sollen. Nicht zufällig hört man diese Geschichte dann eben auch von Leuten, die ihr 'Wissen' über Zen gerade nicht authentischer Zen-Praxis verdanken. Anders gesagt - von Leuten, die sich nicht dazu bequemen wollen, sich gelegentlich auch einmal hinzusetzen und für ein paar Minuten oder Stunden Meinungen, Ansichten, Theorien loszulassen. Stattdessen suchen sie nach solchen Geschichten, die ihre Meinungen, Ansichten und Theorien bestätigen - und es ihnen womöglich noch erlauben, dies als 'Zen' auszugeben. Wenn sich da nichts findet, dann wird halt, was nicht passt, passend gemacht. So ist wohl auch diese Fälschung entstanden.

Wenden wir uns also dem Original zu. Es findet sich nicht in den berühmten Koan-Sammlungen - im Hekiganroku (Biyan Lu), Mumonkan (Wumen Guan) oder Shoyoroku (Congrong Lu) - sondern in einer älteren Quelle, dem Keitoku Dentoroku (Jingde Zhuandeng Lu). Eine ganz zentrale Rolle spielt diese Geschichte in Dogens Shobogenzo Zazen Shin, wo Dogen sie ausführlich kommentiert.

Ein kurzer Hinweis noch zu den Personen: Es handelt sich um zwei der bedeutendsten Figuren des klassischen Zen der Tang-Dynastie. Dazhi von Jiangxi ist besser bekannt unter dem Namen Mazu Daoyi (vgl. hier), Dahui von Nanyue hingegen als Nanyue Dairang (vgl. hier). Dazhi ('Großes Wissen') und Dahui ('Große Weisheit') sind postum verliehene Ehrentitel.

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Als der Chan-Meister Dazhi von Jiangxi mit Chan-Meister Dahui von Nanyue studierte, saß er beständig in Meditation. Einmal ging Nanyue zu Dazhi und sagte. "Ehrenwerter, was erwartest du, wenn du hier in Meditation sitzt?"
Jiangxi sagte: "Ich erwarte, einen Buddha zu machen."
Da nahm Nanyue einen Ziegel auf und begann, ihn auf einem Stein zu reiben. Nach einer Weile fragte Dazhi: "Meister, was tust du?"
Nanyue sagte: "Ich poliere dies hier, um einen Spiegel zu machen."
Dazhi sagte: "Wie kannst du durch Polieren eines Ziegels einen Spiegel machen?"
Nanyue antwortete: "Wie kannst du durch Sitzen in Meditation einen Budha machen?"


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Kurze Unterbrechung - so weit der erste Teil. Wenn man nun den Rest der Geschichte verschweigt, könnte tatsächlich der Eindruck entstehen, Nanyues Antwort sei ironisch gemeint und ziele darauf ab, das 'Sitzen in Meditation' (zuochan / zazen) sei nicht geeignet, 'einen Budha zu machen'. Tatsächlich aber ist diese Frage durchaus ernst gemeint - es geht um das 'Wie' des Sitzens. Die Antwort darauf, wie man aus einem Ziegel einen Spiegel macht, bleibt uns Nanyue nicht schuldig.
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Dazhi fragte: "Nun, was ist das Richtige?"
Nanyue antwortete: "Wenn ein Mann auf einem Ochsenkarren fährt und der Karren nicht vorankommt, sollte er den Karren oder den Ochsen schlagen?"
Dazhi antwortete nicht.

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Es ist keineswegs Ratlosigkeit, die hier Dazhis Schweigen veranlasst. Die Nicht-Antwort ist die einzig angemessene Antwort auf die Frage. Natürlich wäre es absurd, den Karren zu schlagen - das ist einfach zu sehen. Doch wäre es nicht auch absurd, den Ochsen zu schlagen, wenn der Karren ein gebrochenes Rad hat? Nanyue ist auch hier nicht auf eine einfache Antwort aus.
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Nanyue fuhr fort: "Studierst du 'Meditation im Sitzen' oder studierst du 'sitzender Buddha'? Wenn du 'Meditation im Sitzen' studierst, dann ist Meditation nicht 'Stillsitzen'. Wenn du 'sitzender Buddha' studierst, dann ist Buddha kein fixiertes Mal. Wenn du 'sitzender Buddha' studierst, dann ist das 'Buddha töten'. Wenn du nach dem Mal des Sitzens greifst, erfasst du nicht sein Prinzip."


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Man sieht, die eigentliche "Zen-Geschichte" ist schon ein wenig schwieriger zu verstehen, als die mißlungene Travestie. Sie ist eigentlich gar nicht zu verstehen, wenn man nicht sowohl 'Meditation im Sitzen' als auch 'sitzender Buddha' intensiv studiert, wenn man nicht die Wirkungsweise von 'Karren' und 'Ochse' versteht (wodurch sich auch das Schlagen erübrigt). Aber auch ohne dies läst sich erkennen, dass es hier nicht um eine Kritik des Sitzens als solches geht - sondern um einen Hinweis zum richtigen Sitzen.

'Richtiges' Sitzen, Zazen, ist kein 'Stillsitzen' - soll heißen keine Versenkungsübung, ist nicht die Übung der Jhanas (vgl. hier). Dies ist immer wieder als 'Zen des toten Holzes' (eigentlich 'totes Holz [und] kalte Asche', kumu shihui) kritisiert worden. Zwar gehen das chinesische 'Chan' bzw. japanische 'Zen' auf sanskrit 'Dhyana' zurück (pali 'Jhana'), und doch ist Zen, ist Zazen kein Dhyana. Zazen ist 'sitzender Buddha' - aber auch nur dann, wenn man dabei 'Buddha tötet', wenn man nicht nach Buddha als dem Mal des Sitzens greift und daran anhaftet. Dazhis Problem, das Nanyue in dieser Geschichte korrigiert, ist dieses Anhaften - "Ich erwarte, einen Buddha zu machen." Wahre buddhistische Praxis löst sich von Anhaftungen, von Erwartungen, von Zielen. Auch vom Sitzen. Was nicht heisst, man würde nicht sitzen ...

"Wenn du verstehst, wie wertvoll dein Leben ist und dass die Art, wie du es manifestierst und es lebst, voll und ganz deiner eigenen Verantwortung unterliegt - dann ist das solch eine große Verantwortung, dass so jemand ganz natürlich sich für ein Weilchen hinsetzt. Es ist keine absichtsvolle Handlung, es ist eine natürliche Handlung."
(Houn Kobun, 1938 - 2002)

In diesem Sinne ...