Freitag, 12. Februar 2010

Drei heisse Tassen Tee

Ein wenig lässt der Vorfrühling nun wohl doch noch auf sich warten. Man muss es halt nehmen, wie's kommt und geht. Auch das Wetter ...



Also noch keine Zeit für Frühlingsgedichte. Das lässt sich verschmerzen - gibt es doch Wintergedichte reichlich. Sie sind nicht so selten wie unser Beispiel vom letzten Sonntag, das sich dem Schwebezustand zwischen Nicht-mehr-Winter und Noch-nicht-Frühling widmete. Dazu vielleicht ein ander Mal mehr, wenn die Zeit gekommen ist. Heute soll es Liu Zongyuan sein, ein Zeitgenosse des letzten Sonntag zitierten Bo Juyi und wie dieser ein in der Politik Gescheiterter.

schneefluss

tausend hügel, kein vogel am himmel
zehntausend pfade, keines menschen spur
einsames boot, alter mann mit strohhut
alleine fischend im kalten schneefluss

Nun, ein Fischer war gestern auf der Nahe nicht unterwegs. Schon gar keiner mit Strohhut. Dafür kann man auf obigem Bild bei genauem Hinsehen meinen Wandergefährten Charly entdecken. Den einsamen Angler möchte ich stattdessen hier mit einem Bild des alten 'Eine-Ecke-Ma' nachliefern:


Seinen Spitznamen erhielt Ma Yuan wegen der Marotte, sich damit zu begnügen, lediglich eine Ecke seiner Bilder zu bearbeiten und den Rest der Vorstellungskraft des Betrachters anheim zu stellen. Eine Absicht, die hier freilich durch Beschneiden und mein exzessives Geschreibsel zunichte gemacht wird. Dafür lässt sich auf dem Bild hier aber auch noch etwas erkennen, was bei einer Darstellung des kompletten Formats deutlich schwieriger sein dürfte ....

Um auf Liu Zongyuans Gedicht zurück zu kommen - das kann einen schon frösteln lassen. In der Tat, verglichen mit Bo Juyi vermisst man hier die Heiterkeit und Wärme, die man bei seinem berühmteren Kollegen selbst in einem Wintergedicht finden kann, etwa in diesem hier:

Späte Heimkehr auf der Straße von Pingquan an einem Wintertag

Wie beschwerlich, auf dem Bergpfad zu reisen.
Schon steht die Sonne tief.
Im vernebelten Dorf ein eisiger Baum
Dient einer Krähe zum Sitz.
Vor Einbruch der Nacht komm ich nicht an,
Doch kümmert mich dies nicht .
Drei heisse Tassen Tee getrunken

Und ich bin zu Haus.

So habe auch ich es heute gehalten und ohne Bedauern die letzten Krümel eines Dai Hong Pao ihrer Bestimmung zugeführt. Dai Hong Pao ('Große Rote Robe') ist einer der berühmten Wuyi-Tees aus Fujian. Dieser 'Klippen-' oder 'Felsen-Tee' (Yan Cha) wächst in den stark zerklüfteten Wuyi–Bergen des Chong’an–Distrikts an der nordwestlichen Grenze Fujians zur Provinz Jiangxi. Zur Ernte an den steilen Hängen und Felswänden sollen früher z. T. dressierte Affen eingesetzt worden sein. Er war bereits zu Zeiten der Song-Dynastie (960-1279), gegen deren Ende der oben vorgestellte 'Eine-Ecke-Ma' wirkte, berühmt als kaiserlicher Tribut-Tee.

Yan Cha ist eine Sammelbezeichnung für die Oolongs aus diesem Gebiet, die alle in recht geringen Mengen von einer speziellen Varietät des Teestrauchs, dem Ming Cong, produziert werden. Der vielleicht berühmteste unter ihnen ist der Dai Hong Pao, die ‚Große Rote Robe’ aus dem Tian-Xing - Garten. Von vergleichbarem Ruf sind der Ching Yuan (Goldmünze) vom Fu Guo und der Pai Ji Kuan (Weißer Hahnenkamm) aus dem Hui Yuan - Garten.

Diesen Tee hatte ich vor fast einem Jahr auf der Rheinland-Pfalz-Ausstellung in Mainz erstanden, wo die Wuyi Star Tea Company aus Fujian (Rheinland-Pfalz pflegt mit dieser Provinz eine besondere Partnerschaft) einen üppig ausgestatteten Stand unterhielt, an dem ansehnliche junge Damen Kostproben ausschenkten. Ich hatte mich dort vor allem mit einer größeren Menge eines sehr leckeren Shui-Xian-Ooolongs eingedeckt - und eben mit Dai Hong Pao, der trotz der bescheidenen 15g Packungsinhalt geradezu obszön teuer war. Allerdings ist bei diesem Tee noch der 7. Aufguss ein Genuss. Also werde ich bei der diesjährigen Ausstellung Ende März für Nachschub sorgen - vorausgesetzt, die freundlichen Damen und Herren aus Fujian sind dann auch wieder da. Bis dahin werde ich mich zum Aufwärmen wohl oder übel anderer Mittel bedienen müssen.

Kommentare:

  1. An die Ausstellung werde ich hoffentlich denken. Da ich etwa zwei Liter Tee täglich trinke (wenn auch abends bevorzugt Teein-freien), neige ich zu den eher profanen Sorten mit den dennoch wohlklingenden Namen: 8 Schätze der Shaolin (eine Mischung diverser grüner und weißer Tees und anderer Zutaten), fast der einzige aromatisierte, der mir schmeckt, und zu dem "weißen" Pai Mu Tan, dessen schleimlösende Wirkung ich als Asthmatiker bestätigen kann. Im Asienshop hole ich mir "Yuen Kut Lam's Kam Wo Char". Der lindert spürbar Erkältungssymptome, besser als jeder Kneipp-Tee. Da müssen über 20 Zutaten drin sein, ich kann so 9 davon lesen, dann kommt ein großer Kleber "Krauter Tee (Kam Wo)" und dann sind unten noch zwei Zutaten. Sie haben Namen wie Shan Chi und Bu Ja Yip. Wie auch immer, keiner meiner Tees machte bisher mehr als 3 Aufgüsse mit. Ich werde also nach dem Dai Hong Pao Ausschau halten - und rechnen. Es wird wohl die einzige "rote Robe" sein, die ich mir je gönne.

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  2. Lieber SoGen, deine Beiträge sind wunderschön.
    Nun - ich bin passionierte Kaffeetrinkerin - schwarz, am liebsten kalt - im Sommer noch kälter - . Tee ist nur als Hustentee für mich akzeptabel.

    _()_

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